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Krankheitserreger wie Legionellen können sich stark vermehren, wenn in Trinkwasseranlagen durch ausbleibende Nutzung Stagnation entsteht. Viele öffentliche Einrichtungen wie Fitnessstudios, Schwimmbäder und Schulen, aber auch touristische Unterkünfte wie Hotels sind weiterhin bis mindestens Ende Januar geschlossen. Trinkwasseranlagen müssen daher während des Lockdowns besonders überwacht werden.

Was sind Legionellen, wie vermehren sie sich und welche Gefahr geht von ihnen aus?

Legionellen sind Bakterien, deren natürliche Lebensräume Frischwasserbiotope wie Oberflächenwasser und Grundwasser sind. So gelangen sie in unsere Trinkwassersysteme. Bei Temperaturen zwischen 25 und 45°C können Legionellen sich in menschengemachten Wassersystemen sehr stark vermehren. Allerdings ist eine solche Vermehrung bei Einhaltung aller allgemein anerkannten Regeln der Technik vermeidbar.

Eine Ansteckung mit dem Erreger kann erfolgen, wenn Wasser in kleinste Tröpfchen vernebelt wird und legionellenhaltige Aerosole entstehen. Diese werden dann vom Menschen eingeatmet. Zu den möglichen Infektionsquellen zählen:

  • Duschen
  • Fontänen oder Sprudelbecken im Wellnessbereich
  • Vernebler zur Kühlung von Lebensmitteln
  • Verdunstungskühlanlagen, Klimaanlagen und Luftbefeuchter
  • Zierbrunnen
  • Kühltürme

Findet eine Infektion statt, entwickeln sich nach 2 bis 10 Tagen erste grippeähnliche Symptome, die dann in eine Lungenentzündung übergehen. Viele der Infizierten müssen aufgrund der Schwere im Krankenhaus behandelt werden, es gibt aber wirksame Antibiotika. Dennoch liegt die Sterblichkeitsrate bei 5-10%. Die Fallzahlen der Legionärskrankheit (Legionellose) haben sich seit Beginn der Meldepflicht stetig erhöht. Auch 2019 waren sie auf einem Höchststand (Abbildung, Quelle: RKI).

Säulendiagramm-Übersicht-Legionellen-von-2001-2019
Abbildung 1: Beim RKI gemeldete Fälle von Legionärskrankheit in Deutschland von 2001 bis 2019.

Hatte der Lockdown 2020 einen Einfluss auf die Anzahl der Legionelleninfektionen?

Das Robert Koch-Institut (RKI) verglich die Fallzahlen während des ersten Lockdowns 2020 mit denen im selben Zeitraum des Vorjahres. Tatsächlich sind innerhalb des gemessenen Zeitraumes (von Januar bis Juli) die Zahl der reiseassoziierten Fälle um das 2,5-fache im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 gesunken, von 164 Fällen (2019) auf 66 Fälle (2020). Das bedeutet, dass der Lockdown und die verminderte Reisetätigkeit einen eindeutigen Einfluss auf die Fallzahlen hatten.

Im Zeitraum des Lockdowns in den Monaten März bis Mai sanken die Fallzahlen zum Teil auf Null während sie 2019 und in den Jahren davor ab April stetig anstiegen. Erst mit den Lockerungen ab Juni 2020 stiegen auch die gemeldeten Fälle reiseassoziierter Legionellosen wieder an. Gleichzeitig wurde aber auch ein Anstieg der Fälle in Verbindung mit Reisen innerhalb Deutschlands beobachtet, was mit vermehrter innerdeutschen Reisetätigkeit zusammenhängt. Das zeigt, dass auch Reiseunterkünfte in Deutschland ein Risiko für Reisende darstellen können und demnach genauestens kontrolliert werden sollten.

Wie kann man eine Vermehrung von Legionellen während des Lockdowns verhindern?

Wie auch beim ersten Lockdown ist es nun besonders wichtig Trinkwasserleitungen und Trinkwassererwärmer sowie Schwimmbecken und Wellnesspools zusätzlich zu überwachen und die Qualität des Wassers zu kontrollieren. Auch das RKI hatte bereits im Sommer 2020 zu Beginn der ersten Lockerungen und der Wiederaufnahme von Reisetätigkeiten darauf hingewiesen (Epid. Bulletin 24-20), nach einem Stillstand die „Maßnahmen vor Inbetriebnahme einer Trinkwasseranlage“, die „in den bekannten Technischen Regelwerken beschrieben“ sind (wie bspw. DIN EN 806-5 und VDI 6023) zu beachten, um das Infektionsrisiko weitestgehend zu minimieren. Zu den Vorsichtsmaßnahmen können folgende gehören:

  • Während der Zeit der Nichtnutzung sollten vor allem Trinkwasserleitungen regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) gespült werden, da sich Legionellen und andere Schadorganismen besonders bei stehendem Wasser (Stagnation) stark vermehren können. Dafür ist es hilfreich alle Entnahmestellen für mehrere Minuten aufzudrehen (kalt und warm, bei Mischbatterien jeweils ganz kalt und ganz heiß nacheinander aufdrehen).
  • Das Risiko ist außerdem erhöht, wenn sich in den Rohren, Duschen oder Wasserhähnen feste (Kalk, Kesselstein) oder biologische Ablagerungen (Biofilm) oder Korrosion gebildet haben. Diese sollte möglichst rasch mittels geeigneter Reinigungsprodukte entfernt werden.
  • Es ist zudem wichtig zu kontrollieren, dass Kaltwasserleitungen unter 20°C kaltes Wasser und Warmwasserleitungen über 50°C heißes Wasser führen, damit die optimale Wachstumstemperatur für die Bakterien vermieden wird.
  • Wassertanks, Warmwasserspeicher oder Boiler müssen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden und bei Beprobungen berücksichtigt werden.
  • Poolwasser muss desinfiziert, der pH-Wert des Wassers muss mehrmals täglich überprüft und die Becken im Spa-Bereich regelmäßig (einmal die Woche) in geleertem Zustand mit professionellen Produkten gereinigt und desinfiziert werden.
  • Filteranlagen in Schwimm- und Wellnessbereich müssen regelmäßig rückgespült werden.

Was kann man tun, wenn bei einer Kontrolle Legionellen festgestellt werden?

Sollten trotz der Vorsichtsmaßnahmen doch einmal Legionellen festgestellt werden, greifen zunächst gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen (s. Infobox). Zur Beseitigung der Verkeimung müssen Leitungen, Wasserspeicher oder Becken gründlich mit geeigneten, professionellen Produkten gereinigt und desinfiziert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die schädlichen Bakterien, die sich in Biofilmen festsetzen, restlos entfernt werden. Für Leitungen hat CARELA ein mehrstufiges Reinigungs- und Spülungsverfahren (multi-step Spülung) entwickelt, dass zunächst den Biofilm aufbricht und anschließend von den Rohrinnenflächen entfernt. Auch ein Befall mit Pseudomonas aeruginosa, der häufig in Kombination mit Legionellen auftritt, kann mit dieser Methode behoben werden. Nach den Maßnahmen muss eine erneute mikrobiologische Untersuchung stattfinden. Danach sollte die Anlage entsprechend der allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben werden.

CARELA GmbH bietet neben der professionellen Reinigung und Desinfektion von Trinkwasseranlagen aller Art eine umfassende Beratung zum Thema Trinkwasserhygiene und Legionellenprävention und führt auch Gefährdungsanalysen durch.

Lassen Sie sich noch heute von uns beraten! Kontaktieren Sie uns per Email oder rufen (+49 7623  7224 0) Sie uns an.

Infobox – gesetzliche Pflichten bei Hausinstallationen, Legionellen

Untersuchung auf Legionellen
  • Öffentliche Gebäude mit einer Verneblung des Trinkwassers (Duschen oder andere) jährliche Untersuchung an repräsentativen Stellen
  • Gewerblich genutzte Gebäude mit einer Verneblung des Trinkwassers Untersuchung alle 3 Jahre
Bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes (100 KBE/100 ml)
  • Meldung an das Gesundheitsamt (durch das Labor)
  • Unverzügliche Untersuchung zur Ursache
  • Maßnahmen zur Abhilfe
  • Durchführung einer Gefährdungsanalyse
  • Maßnahmen zum Schutz des Verbrauchers
  • Informieren des Verbrauchers

Quellen:

  • Robert Koch-Institut (2020). Wiederaufnahme von Reisen und Tourismus. Legionellenwachstum vorbeugen – Erkrankungen verhindern. Epidemiologisches Bulletin, 24-20.
  • Robert Koch-Institut (2020). Entwicklungen der Fallzahlen von Legionärskrankheit vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie, Januar bis Juli 2020. Epidemiologisches Bulletin, 44-20.
  • Robert Koch-Institut (2000-2020), Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für die Jahre 2001 bis 2019.
  • Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (2016) ECDC Gesundheitsinformationen. Informationen über die Legionärskrankheit für Leiter von Touristenunterkünften.

ENGLISH VERSION


Many public buildings and accommodation facilities such as fitness centres, swimming pools, schools and hotels are closed until at least the end of January or even longer. Due to stagnating water, unused water systems are now at an increased risk of Legionella growth. Therefore, drinking and other water systems need to be monitored and managed even more closely at this time.

What are Legionella, how do they grow and how dangerous are they?

Legionella are bacteria that naturally occur in fresh water reservoirs such as surface or ground water. That is why they are present in drinking water, albeit in very small numbers. At temperatures of 25 to 45° Celsius Legionella can start to propagate quickly and to great numbers in man-made water systems. Stagnating water in unused pipes or other systems further promotes Legionella growth. It is, however, possible to avoid heavy contamination if you observe legal regulations (may vary depending on your location) and all recommended technical guidelines.

An infection with Legionella can occur when water is nebulized into tiny droplets and Legionella-containing aerosols develop that are inhaled by humans. Potential sources for infection are:

  • Showers
  • Fountains or whirlpools in wellness areas
  • Mist humidifiers and mist cooling systems
  • Air conditioning, cooling towers and evaporative cooling systems
  • Decorative (indoor) fountains, water walls or curtains

In the event of an infection, 2 to 10 days after exposure to Legionella flu-like symptoms develop that turn into a severe lung infection (pneumonia). The disease is referred to as legionellosis or Legionnaire’s disease. A relatively high number of patients need to be treated in hospital but there are effective antibiotics against legionellosis. Nonetheless, the mortality rate of 5-10% is quite high. In Europe, the number of reported cases has steadily increased over the past years but varies greatly between countries due to differences in monitoring the disease (figure, source: ECDC).

statistics-of-Legionnaire's-disease-cases
Figure 1: Cases of Legionnaire's disease in the EU/EEA from 2007 to 2018 (ECDC).

How can you avoid Legionella growth during lockdown?

To reduce the risk of Legionella growth, drinking water pipes and heaters, swimming pools, spa pools and other water sources at risk need to be managed and monitored carefully. After a longer period of low use or disuse, legal regulations for taking water systems back into operation need to be observed before re-opening the facility. This will help to reduce the risk of infections. Preventive measures include:

  • Stagnating water promotes microbial growth. During lockdown (gently) flush all outlets of hot and cold water separately (at least once a week) until the water reaches the below mentioned temperatures. Also, flush WC cisterns, urinals and any other points on the network.
  • Cold water should be maintained at a temperature below 20° Celsius and hot water should be maintained at a temperature above 50° Celsius to avoid ideal growing temperature for bacteria.
  • Solid deposits such as scale, corrosion products or biological deposits (biofilm) can also promote the growth of Legionella. Therefore, remove deposits in pipes, storage tanks, heaters or pools by applying appropriate, professional cleaning agents.
  • Clean and disinfect warm water storage tanks, heaters or boilers at regular intervals and additionally before re-initiating normal operation after a period of disuse.
  • Disinfect pool water continuously, measure pH several times a day. Empty pools and clean them with professional cleaning agents and devices (such as low pressure spray systems) at least once a week.
  • Filter systems in swimming and spa areas need to be back-flushed at regular intervals.

Before reopening, it is recommended to undertake microbiological sampling to ensure that Legionella are not detected above allowed levels.

What can you do in case of increased numbers of Legionella?

Should Legionella be detected despite implementing preventive measures, please make sure that all legal requirements (may vary depending on your location) are met. To efficiently remove Legionella from pipes, water storage tanks or pools clean, flush and disinfect them with appropriate cleaning agents and disinfection products that are specific to your application. This will ensure complete removal of the harmful bacteria that generally accumulate in biofilms. Depending on the application, you may want to consult a specialist company. For the removal of Legionella from drinking water pipes CARELA developed a multi-step cleaning and flushing procedure (multi-step flushing) that first breaks open the biofilm and subsequently removes it from the internal surfaces. After completing these measures microbiological samples need to be taken and analysed to verify their success.

CARELA GmbH offers professional cleaning and disinfection products and services for all types of drinking water and other water systems as well as comprehensive guidance on drinking water hygiene and prevention of Legionella. CARELA also carries out risk assessment of your water system should you require it.

How can we help you? Call (+49 7623  7224 0) or email us today to hear more on our products or services!

References:

  • European Centre for Disease Prevention and Control (2016). ECDC Health Information: Information about Legionnaire’s disease for managers of tourist accommodation.
  • European Centre for Disease Prevention and Control, Surveillance Report. Legionnaires’ disease: Annual Epidemiological  Report for 2016 and 2018; and Annual epidemiological report: Reporting on 2011 surveillance data and 2012 epidemic intelligence data (2013).

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